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Landliebe: Warum das Landleben eine neue Konjunktur erlebt

Der Charme des Landlebens ist zurück: warme Materialien, handgefertigte Deko und eine Sehnsucht nach Ruhe. Wie sich der Landhaus-Look im eigenen Zuhause umsetzen lässt und welche Ausflüge sich lohnen.

Zwischen ständig aufleuchtenden Push-Nachrichten, endlosem Scrollen durch Social Media, vollen Terminkalendern und dem Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen, wird eines immer lauter: die Sehnsucht nach einem einfachen, naturverbundenen Leben. Da es mittlerweile für nahezu jedes Phänomen einen Begriff gibt, hat auch dieser Wunsch nach Entschleunigung einen Namen. Auf TikTok, Instagram und Co. begeistert seit einiger Zeit «Cottagecore» Millionen von Menschen. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern «Cottage» (Landhaus) und «core» (extrem) zusammen und steht für die romantisierte Vorstellung eines Lebens fernab von Hektik und Leistungsdruck. Im Mittelpunkt stehen Nostalgie, Entschleunigung und der Wunsch, bewusster im Hier und Jetzt zu leben. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, der Kreativität freien Lauf zu lassen und die Verbindung zur Natur wiederzuentdecken. Ob frisch gebackenes Sauerteigbrot, ein selbst gebundener Blumenkranz oder handbestickte Tischdecken – traditionelles Handwerk und naturnahe Rituale werden neu entdeckt. Das zeigt sich nicht nur in alltäglichen Gewohnheiten, sondern auch in Mode und Interior: Natürliche Stoffe, romantische Schnitte, Holz, Blumen und sanfte Farben prägen die Ästhetik eines Trends, der weit über soziale Medien hinausgeht.

Die kleinen Dinge romantisieren

Ein einfacher Weg, seinem Leben einen Hauch von Landliebe zu verleihen, ist, die vermeintlich kleinen Dinge wieder bewusst wahrzunehmen. Denken Sie an Pettersson und Findus: Die beiden unkonventionellen Freunde geniessen ihr Leben mit selbst gemachter Pfannkuchentorte, Hühnern im Garten, frisch geerntetem Gemüse und kleinen Alltagsabenteuern. Ihre Welt mag zwar fiktiv sein, vermittelt aber genau das Lebensgefühl, nach dem sich heute viele sehnen. Es muss aber keineswegs gleich das Holzhaus auf dem Land mit privatem Seegrundstück sein.

Oft reichen schon kleine Rituale, um etwas mehr Landliebe in den Alltag zu bringen. Sie haben einen Balkon oder eine Terrasse? Wunderbar! Ein paar Kräutertöpfe, blühender Lavendel oder eine Tomatenpflanze genügen bereits, um ein kleines Stück Natur direkt vor die eigene Haustür zu holen. Und wer weiss – vielleicht bleibt es nicht bei einer Tomatenpflanze. Die Freude am Gärtnern beginnt oft mit einem einzelnen Topf und wächst mit jeder neuen Saison. Vom Säen über die Pflege bis hin zur ersten Ernte lässt sich der Kreislauf der Natur hautnah miterleben. Ob knackiger Pflücksalat, süsse Erdbeeren oder frische Kräuter für das Abendessen – Selbstgezogenem beim Wachsen zuzusehen und die Früchte der eigenen Arbeit zu ernten, hat einen ganz besonderen Reiz. Die Freude hört jedoch nicht bei der Ernte auf. Aus den ersten Erdbeeren vom Balkon wird selbst gemachte Marmelade, aus den Kräutern  vom Fensterbrett ein aromatischer Tee und aus den Äpfeln vom eigenen Baum vielleicht ein Kuchen für den Sonntagnachmittag. Auch andere kreative Hobbys erleben neuen Aufschwung: Ob Malen, Journaling oder Lettering – immer mehr Menschen nehmen sich bewusst Zeit, um etwas mit den eigenen Händen zu gestalten.

Aus schönem Papier entstehen handgeschriebene Briefe, selbst gestaltete Karten oder kleine Erinnerungsbücher, die besondere Momente festhalten. Beliebt sind zudem kreative Projekte für das eigene Zuhause. Mit etwas Garn und Geduld entstehen Makramee-Blumenampeln, in denen Zimmerpflanzen stilvoll in Szene gesetzt werden können. Solche Projekte sind nicht nur dekorativ, sondern machen Freude weit über das fertige Ergebnis hinaus. Doch nicht jede Auszeit muss produktiv sein. Manchmal genügt ein Spaziergang über blühende Wiesen, das Sammeln von Wildblumen am Wegesrand oder ein gemütliches Picknick am See. Vielleicht werden die gepflückten Blumen später gepresst und zwischen Buchseiten aufbewahrt, vielleicht schmücken sie einfach für ein paar Tage den Küchentisch. Oft sind es gerade diese unscheinbaren Momente, die den Blick für die Schönheit der Natur schärfen. Ein gutes Buch unter einem schattigen Baum, ein Frühstück im Grünen oder eine Tasse Kaffee auf der Terrasse mit der Zeitung in der Hand: Momente, die keinen besonderen Anlass brauchen und gerade deshalb so wertvoll sind. Denn oft sind es nicht die grossen Veränderungen, sondern die kleinen Gewohnheiten, die einem Alltag mehr Ruhe, Kreativität und Gemütlichkeit verleihen.

Ein Stück Sommer

Die schönsten Souvenirs kosten nichts. Sammeln Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang einige Wildblumen und pressen Sie diese zwischen den Seiten eines schweren Buches. Nach wenigen Wochen lassen sich die getrockneten Blüten in Bilderrahmen arrangieren, zwischen Buchseiten aufbewahren oder für selbst gestaltete Karten verwenden. So bleibt die Erinnerung an sonnige Tage noch lange erhalten.

Mode mit Landhauscharme

Wer beim Gedanken an Cottagecore sofort an die romantischen Kleider aus «Bridgerton» denkt, liegt nicht ganz falsch. Die Ästhetik bedient sich an vergangenen Zeiten und vereint Elemente des Landlebens mit einem Hauch von Nostalgie. Entstanden ist ein Stil, der wirkt, als wäre er einem Sommertag auf dem Land entsprungen. Im Mittelpunkt des Landhauscharmes stehen luftige Stoffe, fliessende Schnitte und liebevolle Details. Lange Kleider aus Leinen, zarte Stickereien, weite Ärmel, Rüschen und Schleifen verleihen dem Look eine verspielte Leichtigkeit. Dazu gesellen sich Strohhüte, Korbtaschen sowie Blumen- und Karomuster, die an Picknicks auf blühenden Wiesen erinnern. Auch die Latzhose feiert ihr Comeback und zeigt, dass Landliebe nicht immer nur romantisch, sondern auch praktisch und unkompliziert sein darf. Die Farbpalette orientiert sich dabei direkt an der Natur. Sanfte Pastelltöne wie Rosa, Lavendel, Salbeigrün oder Himmelblau treffen auf warme Nuancen in Creme, Beige und Oliv.

Die Farben wirken beruhigend und schaffen eine Ästhetik, die gleichzeitig sanft und zeitlos erscheint. Neben Einflüssen aus vergangenen Jahrhunderten finden sich auch Anleihen aus der Hippie-Bewegung der 1960er- und 1970er-Jahre. Häkeltops, Pullunder, Patchworkmuster und handgefertigte Accessoires finden wieder ihren Platz in den Kleiderschränken und verleihen dem Stil eine ungezwungene Note. Passend dazu spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Statt ständig neuen Trends hinterherzujagen, stehen bewusster Konsum, langlebige Materialien und besondere Fundstücke vom Flohmarkt oder aus dem Brockenhaus im Fokus. Auch bei Frisuren und in der Beauty zeigt sich die Liebe zum Natürlichen. Lockere Flechtfrisuren, sanfte Wellen und romantische Locken wirken, als wären sie vom Wind geformt worden. Beim Make-up setzt man auf einen frischen Teint, rosige Wangen und nur wenige Produkte – mit dem Ziel, möglichst natürlich auszusehen. Der Look erinnert an den No-Make-up-Trend, bei dem die eigene Schönheit statt perfektem Make-up im Mittelpunkt steht.

Mehr als nur vier Wände

Natürlich muss es nicht gleich die englische Countryside mit reetgedecktem Cottage und blühendem Rosengarten sein. Oft entsteht das Landhauswohngefühl durch Materialien, Erinnerungsstücke und Details, die einem Raum Persönlichkeit verleihen. Ein alter Bauernschrank, geerbtes Geschirr mit Blumenmuster oder eine handgehäkelte Tischdecke erzählen Geschichten und machen ein Zuhause unverwechselbar. Cottage-Style lebt von natürlichen Materialien: Massivholz, Rattan, Keramik und weiche Leinenstoffe verleihen Wohnräumen Wärme und Charakter.

Holzoberflächen dürfen Gebrauchsspuren zeigen, Keramiktassen müssen nicht makellos sein und auch Möbel erzählen gern ihre eigene Geschichte. Besonders im Wohnzimmer zeigt sich dieser Charme: Ein offener Kamin – sofern vorhanden – wird schnell zum Mittelpunkt des Raumes. Natursteinwände, rustikale Holzboards und bequeme Polstersessel im klassischen Chesterfield-Stil oder mit romantischem Blumendessin schaffen eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Dazu passt ein gemütlicher Teppich, ganz gleich, ob es ein wertvoller Orientteppich oder eine moderne Variante aus wiederaufbereiteten Naturfasern wie Hanf oder Leder ist. Nach Jahren voller Beige, Greige und perfekter Ordnung hält wieder mehr Persönlichkeit Einzug. Blumenmuster, Stickereien und Vichy­karos bringen Farbe und Lebendigkeit ins Zuhause. Sanfte Salbeitöne, warmes Cremeweiss, zartes Rosé oder gedecktes Blau harmonieren mit natürlichen Materialien und verleihen Räumen eine wohnliche Leichtigkeit.

Statt glatter Flächen und zurückhaltender Dekoration dürfen Zimmer wieder verspielt wirken – mit Rüschen, floralen Motiven und liebevollen Details, die sofort ins Auge fallen. Flohmärkte, Vintageläden und Secondhandshops werden dabei zu wahren Fundgruben. Eine Emaillekanne, ein besticktes Kissen, ein alter Holzstuhl bringen Charakter in den Raum, ohne perfekt aufeinander abgestimmt sein zu müssen. Gerade die Mischung aus Alt und Neu verleiht dem Stil seine besondere Wirkung. In der Küche sorgen beispielsweise offene Regale mit Keramikgeschirr, nostalgische Vorratsdosen und massive Holztische für das typische Landhausgefühl. Hier dürfen Lieblingsstücke sichtbar sein und täglich genutzt werden, statt hinter Schranktüren zu verschwinden. Auch Rückzugsorte wie Schlaf- und Badezimmer profitieren von dieser wohnlichen Ästhetik. Im Schlafzimmer schaffen Leinenbettwäsche, florale Tapeten oder zarte Blumenprints sowie ein alter Sekretär oder eine Vintagekommode eine behagliche Atmosphäre. Im Bad ergänzen Naturstein, Keramikwaschbecken, geflochtene Körbe und flauschige Handtücher in sanften Naturtönen den Look. Frische Blumen, duftende Seifen und kleine Erinnerungsstücke verleihen selbst funktionalen Räumen eine persönliche Note. Am Ende geht es weniger darum, einen Stil perfekt zu inszenieren, sondern ein Zuhause zu schaffen, das die eigene Geschichte erzählt. Genau darin liegt der besondere Reiz des modernen Landhauslooks: Er verbindet Gemütlichkeit, Individualität und zeitlose Schönheit auf ganz natürliche Weise.

Trend vs. Lebensgefühl

Der Reiz von Cottagecore liegt nicht darin, das perfekte Landhaus aus einem Hochglanzmagazin nachzuahmen oder den Alltag bis ins kleinste Detail zu inszenieren. Vielmehr steht der Wunsch im Vordergrund, bewusster zu leben, den Blick wieder auf die kleinen Freuden des Alltags zu richten und Tätigkeiten neu zu entdecken, die lange in Vergessenheit geraten waren. Ob ein handgeschriebener Brief, ein selbst gestaltetes Fotoalbum oder ein Tag in der Natur, an dem das Handy bewusst liegen bleibt – oft sind es gerade die einfachen Dinge, die besonders lange in Erinnerung bleiben. Hinter der Ästhetik verbirgt sich deshalb weit mehr als ein kurzlebiger Social-Media-Hype. Die Wertschätzung von Nostalgie, Natur und Individualität bildet das Herzstück dieses Lebensgefühls. Statt ständig dem Nächsten hinterherzujagen, rücken Achtsamkeit, Kreativität und persönliche Rituale in den Fokus. Genau darin liegt wohl die anhaltende Faszination von Cottagecore. In einer Zeit, die von Geschwindigkeit, ständiger Erreichbarkeit und permanenter Optimierung geprägt ist, erinnert der Trend daran, dass nicht alles effizient, perfekt oder produktiv sein muss. Manchmal genügt es, den Moment bewusst wahrzunehmen und dem Gewöhnlichen wieder etwas Besonderes abzugewinnen.

3-Lagen-Regel

Ein Raum wirkt besonders gemütlich, wenn verschiedene Materialien miteinander kombiniert werden. Ein Holztisch, eine Leinentischdecke und eine Keramikvase mit frischen Blumen schaffen beispielsweise mehr Wärme als ein einzelnes Dekoelement. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Oberflächen verleiht einem Raum Tiefe und lässt ihn wohnlicher wirken. Besonders harmonisch wirken Kombinationen aus Holz, Leinen, Keramik, Rattan oder Steingut.

Die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema

Warme Töne, natürliche Materialien, handgefertigte Objekte und eine bewusst reduzierte, aber wohnliche Auswahl. Erd- und Naturtöne stehen im Vordergrund.

Massivholz, Leinen, Baumwolle, Wolle, Terrakotta, Keramik und Emaille. Alles darf Patina zeigen und sich mit der Zeit entwickeln.

Ein Landhaus-Element pro Zimmer als Anker: eine Holzkommode, ein Leinenvorhang oder ein Korb. Der Rest bleibt modern und ruhig.

Emmental, Toggenburg, das Freiburgerland und die Innerschweiz bieten Bauernhöfe, Hofläden, Wanderwege und traditionelle Handwerksbetriebe zum Entdecken.

Getrocknete Gräser, Zweige mit farbigen Blättern, Zierkürbisse und Kerzen in Naturtönen. Weniger ist mehr – ein Deko-Element pro Ecke reicht.

3 Erhältlich in ausgewählten Coop Supermärkten und Coop City

Fotos: stocksy, PR