Black Currant
Säuerlich, dunkel und überraschend im Geschmack: Black Currant ist unser Flavour of the Year. Und dafür gibt es köstliche Gründe
Auf den ersten Blick könnte man die Black Currant, auch schwarze Johannisbeere genannt, mit einer Blaubeere verwechseln. Doch geschmacklich unterscheiden sich die beiden Früchte stark voneinander. So bringt die Black Currant eine Intensität mit, die uns im Frühjahr und Sommer besonders gut schmeckt. Das Aroma der schwarzen Johannisbeere wirkt etwas erwachsener und herber als das vieler klassischer Sommerfrüchte. Die Frucht setzt spannende Kontraste in Süssem – ob Drinks, Desserts oder Frühstück. Doch das ist noch nicht alles, was die schwarze Johannisbeere auf unseren Menüplan bringt.
Aus dem Halbschatten ins Rampenlicht:
Die kleine dunkle Frucht fühlt sich in unserer Klimazone besonders wohl. Sie wächst in Nord- und Mitteleuropa sowie in Nordasien. Am besten gedeiht der kleine Strauch dort, wo die Böden nicht austrocknen: an Waldrändern, in Gebüschen, entlang von Gewässern oder in anderen feuchteren Lagen. Die Black Currant ist winterhart. Daher kommt sie in vielen Regionen Europas gut zurecht. Optimal fruchtet die Pflanze in voller Sonne, wächst aber auch im Halbschatten. Die Früchte reifen typischerweise im Sommer als Trauben heran. Vor allem von Juni bis August trägt die Pflanze ihre leckeren schwarzen Beeren. Je länger sie am Strauch verweilen dürfen, desto süsser wird das Obst. Reife Früchte erkennen wir an ihrer kräftigen dunklen Farbe, die der schwarzen Johannisbeere ihr charakteristisches Aussehen verleiht.
frisch
Schwarze Johannisbeeren sind empfindlich:
Frisch halten sie sich im Kühlschrank am längsten, wenn sie ungewaschen, trocken und locker in einer Dose oder Schale liegen. Es empfiehlt sich, sie erst kurz vor dem Verzehr zu waschen, sonst bekommen sie Druckstellen. Wer die Beeren länger aufbewahren möchte, kann sie einfrieren. Dazu die Beeren verlesen, kurz abspülen, dann sehr gut abtrocknen und erst einzeln auf einem Blech vorfrieren, später in einen Beutel umfüllen und ins Gefrierfach legen. So bleiben nicht nur Farbe und Duft, sondern auch die Portionierbarkeit erhalten. Alternativ lassen sich die Beeren natürlich auch weiterverarbeiten und einkochen. Dabei sollten sie möglichst kurz erhitzt werden. Anschliessend die Gläser sorgfältig verschliessen und dunkel lagern, damit das Aroma bestmöglich geschützt wird.

180
So viel Milligramm Vitamin C können in 100 Gramm schwarzen Johannisbeeren stecken. Das macht sie zu einer besonders Vitamin-C-reichen Beere und einem echten Superfood.
Zarte Blüte
Im Frühjahr zeigt die schwarze Johannisbeere kleine, eher unscheinbare Blüten, die bei Bienen und anderen Fluginsekten beliebt sind und von ihnen bestäubt werden.
Freundliche Pflanze
Alle Teile der schwarzen Johannisbeere sind ungiftig und obwohl sie zur Familie der Stachelbeergewächse zählt, hat sie keine Stacheln.
Schwarze Farbe
Die dunkle Färbung der Beeren geht wesentlich auf Anthocyane zurück, die zur Gruppe der Polyphenole zählen und antioxidative Eigenschaften haben.
Kräutertee
Die getrockneten Blätter lassen sich zu einem Tee aufgiessen, der etwa bei Halsschmerzen getrunken werden kann.
Eine Perle der Natur: So gesund
Die Black Currant macht sich als Superfood zunehmend einen Namen. Und das ganz zu Recht. Denn ernährungsphysiologisch ist die Beere vor allem aufgrund von zwei Dingen interessant: Vitamin C und Polyphenole. Vitamin C ist der klassische Allrounder in der Ernährung. Es trägt etwa zur Funktion unseres Immunsystems bei und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Wunderbar, davon können wir doch kaum genug bekommen! Mit den schwarzen Kleinen kein Problem: Pro 100 Gramm bringen sie es auf 170 bis 180 Milligramm Vitamin C und stecken Zitrone, Orange und Co. dabei locker in die Tasche. Auch ihre roten und weissen Verwandten schlagen sie beim Vitamin-C-Gehalt um Längen. Zur Einordnung: Der empfohlene Tagesbedarf an Vitamin C eines durchschnittlichen Erwachsenen liegt bei ungefähr 100 Milligramm und liesse sich mit rund 60 Gramm Black Currant decken. Doch das ist noch nicht alles, was in den leckeren Beeren steckt. Die schwarzen Perlen der Natur tragen auch viele Ballaststoffe und wertvolle Mineralstoffe unter der Haut. Der Gehalt an Eisen und Kalium beispielsweise ist bemerkenswert. Zudem enthalten sie Polyphenole, darunter Anthocyane. Sie verleihen den Beeren ihre typische blauschwarze Farbe und sammeln sich in der Schale. Den Anthocyanen wird eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.

Black-Currant-Drink
Ein gesunder, erfrischender Drink für warme Tage? Da kommt ein frischer Shake mit schwarzer Johannisbeere wie gerufen. Dafür 150 g schwarze Johannisbeeren (frisch oder TK) mit 200 g Naturjogurt mixen – alternativ 250 ml Buttermilch verwenden. Dazu eine halbe Banane, 1–2 TL Honig/Agaven-/Ahornsirup und einen Spritzer Zitronensaft geben. Erst kurz langsam, dann 30–40 Sekunden kräftig mixen, bis der Drink samtig-cremig ist. Extrafrisch wirds mit tiefgekühlten Beeren oder Eiswürfeln, sämiger mit 1 EL Haferflocken oder 1 TL Chiasamen. Sofort ins Glas füllen und geniessen.

Schwarze-Johannisbeer-Bowl
Für eine fruchtige Smoothiebowl mit Black Currant kommen 80 g schwarze Johannisbeeren (frisch oder TK) sowie je 80 g TK-Heidelbeeren, -Brombeeren und -Erdbeeren in den Mixer. Eine Banane sorgt für natürliche Süsse und Bindung, 200 g Naturjogurt oder Skyr (alternativ eine pflanzliche Jogurtbasis) für Cremigkeit. Je nach gewünschter Konsistenz 60–100 ml Milch oder Haferdrink zugeben und alles zuerst kurz, dann auf höherer Stufe cremig pürieren. Mit 1–2 TL Honig oder Ahornsirup und einem Spritzer Zitronensaft fein abschmecken, in eine Schüssel füllen und mit Beeren, Chiasamen oder gehackten Mandeln toppen.

Cassis in der französischen Küche
Cassis ist ein Klassiker der französischen Küche: Aus schwarzen Johannisbeeren entsteht Crème de Cassis, ein aromatischer Likör, der im Kir oder Kir Royal mit Weißwein beziehungsweise Champagner serviert wird. In Desserts taucht Cassis als Sorbet, Coulis oder Parfait auf und passt besonders gut zu Vanille, Baiser und dunkler Schokolade. Auch in Patisserie-Cremes oder als Fruchtschicht in Tartes sorgen die Black Currant für eine klare Säure. Herzhaft funktioniert die Beere ebenso: In Saucen zu Ente oder Wild bringt Cassis fruchtige Tiefe, Farbe und einen eleganten Kick, der schwere Aromen leichter wirken lässt.

Gebäck mit Johannisbeeren
In Backwaren sorgen schwarze Johannisbeeren für aromatische Spannung: Ihre Säure balanciert süße Teige gekonnt aus, zugleich färben die Beeren Streusel, Muffins und Kuchen tief violett. TK-Beeren sollten wir am besten gefroren und leicht bemehlt unterheben, so sinken sie weniger ab und bleiben als Fruchtpunkte sichtbar. Da die schwarzen Johannisbeeren stark saften, lohnt sich ein etwas festerer Teig oder eine Bindung, zum Beispiel durch gemahlene Mandeln. In Tartes passen die Beeren perfekt zu Vanillecreme, Mandel und Baiser. Im Crumble harmonieren die schwarzen Johannisbeeren zum Beispiel mit Hafer und Nüssen.

Getrocknete Johannisbeeren
Schwarze Johannisbeeren lassen sich auch wunderbar trocknen. Dazu müssen sie zunächst abgebeert, also von ihren Stielen und Stängeln getrennt werden. Anschließend sollten sie sanft gewaschen und trocken getupft werden. Wichtig ist, die Beeren dabei möglichst nicht zu quetschen oder zu beschädigen. Nun wandern sie bei 50 bis 55 °C in den Dörrautomat. Alternativ funktioniert auch ein Ofen mit leicht geöffneter Tür. Darin werden die Beeren dann über mehrere Stunden getrocknet, bis sie ledrig sind. Danach geben die aromatischen Trockenfrüchte Müsli, Tee und Backwaren einen leckeren, säuerlich-herben Kick.
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